Wie wird anfallender Elektroschrott eigentlich verwertet? Welche Schritte erfolgen in einer Sortieranlage? Und welche Möglichkeiten gibt es, den vermeintlichen Schrott als Bastler wiederzuverwenden? Diesen und weiteren Fragen gingen elf Vertreterinnen und Vertreter diverser Reparaturinitiativen aus dem Landkreis Goslar Anfang September auf den Grund. Die Kreislaufwirtschaft Landkreis Goslar organisierte für den Reparaturstammtisch einen Besuch bei Elektrocycling in Goslar/Oker – einen der größten Elektroschrottverwerter Deutschlands.
Seit mehr als 30 Jahren besteht die Recyclinganlage für Elektroschrott in Oker. Was anfangs zur Verwertung recyclingfähigen Materials von Gesellschaftern und Geschäftskunden angedacht war, entwickelte sich schnell weiter. Heute ist Elektrocycling vielseitig aufgestellt und verwertet mit mehr als 200 Mitarbeitenden rund 55.000 Tonnen Elektroschrott pro Jahr. Neben der eigentlichen Verwertung des Elektroschrotts bietet das Unternehmen auch Beratungsdienstleistungen für Hersteller, Vertreiber, Industrie, Kommunen, Zerlegbetriebe und private Haushalte an. Ein Montageteam übernimmt bundesweit den fachgerechten Abbau von technischen Anlagen. Auch die Vernichtung von Datenträgern mit persönlichen Daten gehört zum Leistungsangebot. Privatpersonen können ihre Elektroaltgeräte kostenfrei in dafür vorgesehene Container und Boxen auf dem Werksgelände entsorgen.
Betriebsbesichtigung
Elf Engagierte unterschiedlicher Reparaturinitiativen im Landkreis Goslar trafen sich Anfang September zu einer Betriebsbesichtigung. Bei dem Rundgang über einen Teil des rund 8 Hektar großen Betriebsgeländes wurden die Dimensionen von Elektrocycling deutlich. Insbesondere die imposante Sortieranlage versetzte die Teilnehmenden ins Staunen. Bedrückend war es jedoch zu sehen, wie viele komplett neue und fast neue Elektrogeräte zur Entsorgung angeliefert wurden. Immerhin werden diese fachgerecht verwertet, so dass wertvolle Ressourcen recycelt werden können.
Die mitgereisten Tüftler waren zudem begeistert von den kleinen und großen Schätzen, die sie in den verschiedenen Gitterboxen entdecken konnten. Immer wieder war ein „Oh sieh mal, ein dies und das…“ zu hören.
Im Anschluss saß die Delegation des Reparaturstammtisches noch mit dem Unternehmensentwickler Thomas Henze und dem Vertriebsverantwortlichen Nicolas Festerling zusammen. Diskutiert wurde unter anderem, wie die Reparaturinitiativen Ersatzteile von Elektrocycling beziehen könnten. Welche Möglichkeiten sich dafür entwickeln ließen, wird Thema für den Nachgang sein. Die Reparaturinitiativen werden Listen mit häufig benötigten Ersatzteilen erstellen. Die Kreislaufwirtschaft Landkreis Goslar koordiniert die Sammlung der Listen und das weitere Vorgehen. Projektverantwortlicher ist Dr. Daniel Tomowski von der WiReGo.
Ein Reparaturrat soll sich zukünftig im Landkreis Goslar für das Recht auf Reparatur und die Initiierung von öffentlichkeitswirksamen Maßnahmen rund um das Reparieren einsetzen. Mitglieder können sowohl Privatleute als auch Vertreter aus Handwerk, Politik, Bildung etc. sein.